Intraoperatives Neurophysiologisches Monitoring (IONM) ermöglicht eine nervenschonende Behandlung der Skoliose in der Wirbelsäulenchirurgie

Rücken

Skoliose

Skoliose stellt ein mögliches Anwendungsgebiet dar, in welchem das IONM mittlerweile häufig zur Überwachung von Nerven eingesetzt wird. Die im Rückenmark verlaufenden Nervenbahnen können mit Hilfe dieses Verfahrens lokalisiert und identifiziert werden. So kann der Chirurg nervenschonend und funktionserhaltend operieren.

Parotistumor

Skoliose – Verformung der Wirbelsäule

Bei Skoliose handelt es sich um eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, die mit einer Verdrehung der Wirbelkörper einhergeht. Voraussetzung für die Diagnosestellung einer Skoliose ist eine Krümmung der Wirbelsäule von mindestens 10 Grad (Cobb-Winkel). Anhand des Krümmungswinkels lassen sich verschiedene Schweregrade unterscheiden.[1]

Eine Skoliose wird meist im ersten Schritt konservativ (Krankengymanstik, Korsett etc.) behandelt. Reicht dies nicht (mehr) aus stellt die chirurgische Behandlung von Skoliose einen wirkungsvollen aber komplexen Eingriff dar und ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren wie dem Alter, der Ursache und dem Schweregrad der Skoliose. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer nicht-operativen Behandlung.
Bei fortgeschrittener Skoliose, ab ca. 45°, sind die konservativen Methoden meist erschöpft, sodass ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden muss.[2]

Monitoring bei Skoliose-OP schützt vor Verletzungen des Rückenmarks

Operative Eingriffe an der Wirbelsäule gehören hinsichtlich Technik und Aufwand zu den anspruchsvollsten Operationen der orthopädischen Chirurgie. Das Rückenmark wird von wichtigen sensorischen und motorischen Nerven durchzogen und verläuft innerhalb des Wirbelkanals der Wirbelsäule. Bei chirurgischen Eingriffen an der Wirbelsäule kann das Rückenmark daher beispielsweise durch Druck, Zug, Quetschung oder selten Schnitt geschädigt werden. Mit Hilfe des IONM werden die Nervenfasern des Rückenmarks kontinuierlich überwacht und kleinste Veränderungen in der Motorik und Sensorik können frühzeitig erkannt werden.[3]

Chirurgische Behandlung von Skoliose mittels Wirbelversteifung

Eine Methode zur Behandlung von Skoliose stellt die abschnittsweise Wirbelversteifung mittels Schrauben (Pedikelschrauben) dar. Hierbei erfolgt die Fixierung und Stabilisierung des entsprechenden Wirbelsäulenabschnitts durch ein Schrauben-Stabsystem. Bei der Wirbelsäulenversteifung ist eine exakte Positionierung der Schrauben entscheidend für den Behandlungserfolg. Das IONM dient neben der Nervüberwachung auch als Instrument zur korrekten Positionierung der Schrauben. Der Chirurg kann durch das IONM die Lage der Schrauben schnell und zuverlässig überprüfen und eine mögliche Fehlplatzierung sowie daraus resultierende Nervenschädigung verhindern.

Vorgehensweise des IONM zur Nervüberwachung/Pedikelschraubenplatzierung

>> Platzierung von Nadelelektroden an Armen und Beinen, sowie am Kopf zur Stimulation und Ableitung

>> Diese Muskelbewegungen sowie die sensorischen Signale werden über die platzierten Elektroden abgeleitet

>> Die Nervenüberwachung erfolgt durch kleine Stromimpulse, die entweder eine Muskelbewegung auslösen (motorisches Signal) oder eine Empfindung an der dafür zuständigen Hirnregion erzeugen (sensorisches Signal)

>> Auswertung und Darstellung der Antwortsignale durch das Monitoring-Gerät

Bleibt das Signal über die gesamte OP-Dauer konstant, können Folgeschäden nahezu vollständig ausgeschlossen werden. Bei Veränderungen des Signals, z. B. durch Quetschungen des Spinalkanals während der Korrektur, kann die OP-Strategie ggf. angepasst oder korrigiert werden, was in den meisten Fällen wieder zum Ausgangssignal führt.

Ein weiteres Einsatzgebiet des intraoperativen Neuromonitorings ist neben der Behandlung von Skoliose auch die operative Entfernung von Darmkrebs.


Quellennachweise

1. Kaye A. D. et al. Principles of Neurophysiological Assessment, Mapping and Monitoring: Clear and comprehensive coverage of clinically relevant anatomy and physiology (2014)

2. Kaye A. D. et al. Principles of Neurophysiological Assessment, Mapping and Monitoring: Clear and comprehensive coverage of clinically relevant anatomy and physiology (2014)

3. Ulkatan S. et al. Monitoring of Scoliosis Surgery with Epidurally Recorded Motor Evoked Potentials (D Wave) Revealed False Results, Clinical Neurophysiology 117, Nr. 9 (2006)