Schilddrüse

Nervenverletzungen bei der Entfernung von Schilddrüsenkrebs besser vermeiden

Schilddrüse

Schilddrüsenkrebs

Die operative Entfernung von Schilddrüsenkrebs birgt die Gefahr einer Verletzung des Stimmbandnervs (Nervus laryngeus recurrens), der sich im umliegenden Gewebe der Schilddrüse befindet. Der Einsatz von IONM-Geräten während einer OP bietet dem Chirurgen eine Methode zur Lokalisierung des Nervs und zur Überwachung dessen Funktion. Das Risiko einer Nervenschädigung bei der operativen Behandlung von Schilddrüsenkrebs kann für den Patienten hierdurch deutlich gesenkt werden.[1]

Schilddrüsenkrebs

Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs in Deutschland

Es gibt eine Vielzahl von Schilddrüsenerkrankungen wie beispielsweise den Schilddrüsenkrebs. Schilddrüsenkrebs zählt in Deutschland zu einer der selteneren Tumorarten. Mit einer Häufigkeit von drei Krankheitsfällen pro 100.000 Einwohner erkranken deutschlandweit etwa 6.200 Menschen pro Jahr an Schilddrüsenkrebs. Bei diesem Krankheitsbild liegt ein Tumor in der Schilddrüse vor, welcher sich an unterschiedlichen Stellen der Schilddrüse bilden kann. Je nach betroffenem Bereich der Schilddrüse, gibt es verschiedene OP-Verfahren zur Entfernung von Schilddrüsenkrebs – von der Entfernung eines einzelnen Knotens bis hin zur kompletten Entfernung beider Schilddrüsenlappen.[2]

Schutz der Stimmbandnerven durch Intraoperatives Neuromonitoring

Bei der operativen Behandlung von Schilddrüsenkrebs, aber auch bei anderen operativen Eingriffen an der Schilddrüse besteht das Risiko einer Verletzung der Stimmbandnerven. Diese verlaufen auf der Rückseite der Schilddrüse und sind durch die unmittelbare Nähe zum Operationsfeld besonders gefährdet. Durch die intraoperative Überwachung dieser Nerven kann das Risiko einer Schädigung bei der operativen Entfernung von Schilddrüsenkrebs erheblich verringert werden. Eine Verletzung der Stimmbandnerven durch Druck, Zug oder Quetschung kann für Patienten nach der OP eine Lähmung der Stimmbänder bedeuten. Diese kann in vorübergehender Heiserkeit bis hin zu akuter Atemnot bei beidseitiger Lähmung resultieren.
Insbesondere bei wiederholten Eingriffen sowie bei der vollständigen Entfernung der Schilddrüse ist der Einsatz des IONMs besonders zu empfehlen[3] (Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie; Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie).

Ablauf des IONM bei der Entfernung von Schilddrüsenkrebs

Die Funktion der Stimmbandnerven kann entweder kurzzeitig oder während der gesamten OP mit einem Neuromonitoring-Gerät überwacht werden und läuft folgendermaßen ab:

>> Platzierung von Oberflächenelektroden an der inneren Kehlkopfmuskulatur (Musculus vocalis) zur Signalaufnahme der „Nervsignale“

>> Abgabe minimaler elektrischer Stromstöße (Reize) auf den Stimmbandnerv über eine Stimulationssonde

>> Weiterleitung der Stimulationssignale an die innere Kehlkopfmuskulatur, wodurch sich die Muskeln zusammenziehen (Muskelkontraktion)

>> Aufzeichnung der daraus resultierenden Signale durch die an der inneren Kehlkopfmuskulatur platzierten Elektroden

>> Auswertung der Signale durch das Neuromonitoring-Gerät

>> Das IONM-Gerät meldet sowohl bei intakter Funktion als auch bei einer Schädigung des Stimmbandnervs akustische und optische Signale. Durch diese Kontrollfunktion kann der Chirurg bei Gefährdung des Nervs das Operationsvorgehen frühzeitig anpassen, ohne den Nerv zu beschädigen.

>> Das Intraoperative Neuromonitoring findet nicht nur bei der Entfernung von Schilddrüsenkrebs Anwendung, sondern kann auch im Bereich der Hals-Nasen-Ohren Chirurgie risikominierend eingesetzt werden.[4] Parotistumor


Quellennachweise

1. A. Mangano et al „Evidence-based analysis on the clinical impact of intraoperative neuromonitoring in throid surgery: State of the art and future perspectives“, Surg Technol Int. S. 91-96 (2014)

2. DGAV: Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016, Hrsg. Robert Koch Institut, Available at: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebsgeschehen/Krebsgeschehen_download.pdf?__blob=publicationFile. S. 95.96 (Accessed: 20th July 2018)

3. DGAV: Operative Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen (2015), Available at: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-007l_S2k_operative_Therapie_benigner_Schilddr%C3%BCsenerkrankungen_2015-10.pdf. (Acessed: 20th July 2018)

4. Randolph, G. W. Surgery of the Thyroid and Parathyroid Gland, 2nd edition (2013)