Neuromonitoring in der chirurgischen Proktologie

Proktologie

Die chirurgische Proktologie oder Koloproktologie beschäftigt sich mit der chirurgischen Behandlung von Erkrankungen und Fehlbildungen des Kolons, des Rektums und des Anus sowie Verletzungen in diesem Bereich. Die chirurgische Proktologie wird meist der Allgemein- und Viszeralchirurgie zugeordnet.

Darmkrebs

Besondere Relevanz des Neuromonitorings für die chirurgische Proktologie

Für den Fall des Intraoperativen Neuromonitorings lohnt es sich jedoch die Proktologie eigenständig zu betrachten. Bei der Entfernung des kolorektalen Karzinoms bedeutet die Überwachung des komplex aufgebauten autonomen Nervensystems im kleinen Becken eine große Herausforderung und ist anders als bei der Thyreoidektomie erst seit Kurzem möglich. Bisher (13.10.2017) gibt es auch nur einen Hersteller (inomed Medizintechnik GmbH), der eine patentierte Technologie namens pIOM® für das so genannte pelvine Intraoperative Neuromonitoring (pIONM) anbietet.

Bessere Prognose für Patienten und Erhalt der Lebensqualität gleichzeitig möglich

Für die Behandlung des kolorektalen Karzinoms wird in der chirurgischen Proktologie vor allem die Totale Mesorektale Exzision (TME) verwendet. Dem kommt eine große Relevanz zu, denn jährlich erkranken mehr als 60.000 Deutsche an einer Form des kolorektalen Karzinoms. [1]

Die chirurgische Proktologie versucht mit der TME eine möglichst vollständige und großräumige Resektion des Karzinoms, um eine möglichst gute Prognose des Patienten zu erreichen. Trotz der kontinenzerhaltenden Methode litt in vielen Fällen die Lebensqualität der Patienten bisher stark unter der gewebereichen Resektion. Statistiken der postoperativen anorektalen Funktionsstörungen zeigen, dass eine Vielzahl der Patienten nach Operationen im kleinen Becken an sexueller Dysfunktion, Blasenfunktionsstörungen oder Inkontinenz (Stuhl und/oder Blase) leidet. [2]

Daher ist die Bedeutung des Intraoperativen Neuromonitorings für die chirurgische Proktologie kaum zu überschätzen. Denn mithilfe des pIONM können trotz vollständiger Tumorresektion noch mehr Nerven erhalten werden, um Folgeschäden zu minimieren.[3] [4] Das pIONM bietet dem Chirurgen die Möglichkeit einer intraoperativen Qualitätskontrolle und damit auch eine bessere Evaluation der Patientenprognose.


Quellennachweise

1. Krebs - Startseite Zentrum für Krebsregisterdaten. Available at: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Home/homepage_node.html. (Accessed: 25th July 2017)

2. Lent, V. & Junginger, T. Nervenstörungen der Harnblasenund Sexualfunktionen nach Rektumresektionen und -exstirpationen. Chir. Allg. 257–261 (2011).

3. Kauff, D. W. et al. Evaluation of two-dimensional intraoperative neuromonitoring for predicting urinary and anorectal function after rectal cancer surgery. Int. J. Colorectal Dis. 28, 659–664 (2013).

4. Kauff, D. W., Lang, H. & Kneist, W. Risk Factor Analysis for Newly Developed Urogenital Dysfunction after Total Mesorectal Excision and Impact of Pelvic Intraoperative Neuromonitoring?a Prospective 2-Year Follow-Up Study. J. Gastrointest. Surg. 21, 1038–1047 (2017).