Von der Entfernung der Struma bis zum kolorektalen Karzinom

Allgemein- und Viszeralchirurgie

Die Allgemein- und Viszeralchirurgie beschäftigt sich mit der chirurgischen Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen der inneren Organe. Dazu können je nach Fachgebiet unter anderem Erkrankungen der hormonbildenden Drüsen wie die Schilddrüse (Struma), des Ösophagus, des Magendarmtrakts, der Leber, des Pankreas und der Gallenwege zählen. Auch die chirurgische Proktologie und Koloproktologie werden in vielen Fällen der Allgemein- und Viszeralchirurgie zugeordnet.

Relevanz des Neuromonitorings für die Allgemein- und Viszeralchirurgie

Bei allgemeinchirurgischen Eingriffen können sich motorische oder sensorische Nerven im Operationsfeld und damit in Gefahr befinden, beeinträchtigt zu werden. Insbesondere bei der Thyreoidektomie, Hemithyreoidektomie oder Parathyroidektomie gehört das intraoperative Neuromonitoring des N. laryngeus recurrens bereits seit Jahren zum Standard im deutschen Klinikalltag. So empfiehlt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie ausdrücklich das IONM bei operativen Rezidiveingriffen an der Schilddrüse. Mithilfe des Neuromonitorings kann das Risiko von Rekurrensparesen durch mechanische Manipulation während einer Schilddrüsenresektion minimiert werden. Die Häufigkeit für das Auftreten einer Rekurrensparese bei operativen Eingriffen an der Schilddrüse liegt auch dank des Einsatzes von intraoperativem Neuromonitoring bei unter einem Prozent. Das Neuromonitoring kann ebenfalls die Möglichkeit einer Absicherung im rechtlichen Raum bieten.

Mehr als 100.000 Eingriffe an der Schilddrüse werden allein in Deutschland jährlich durchgeführt. Ein Großteil davon sind Thyreoidektomien aufgrund einer Struma, einer Struma Maligna oder sonstige Veränderungen der Schilddrüse und Nebenschilddrüse. Eine mehr oder weniger fortgeschrittene Struma weisen allein in Deutschland rund 20 Millionen Menschen auf.[1] Weltweit sind es circa 200 Millionen Menschen.[2] Die häufigste Ursache hierfür ist mit rund 90 Prozent noch immer der ernährungsbedingte Jodmangel.

Abgesehen von Schilddrüsenerkrankungen erlangt das intraoperative Neuromonitoring auch in der chirurgischen Proktologie immer mehr Bedeutung. Bei der Totalen Mesorektalen Exzision (Resektion des kolorektalen Karzinoms) beispielsweise spielt das pelvine intraoperative Neuromonitoring eine immer größere Rolle, um die Lebensqualität der Patient*innen nach diesen Operationen zu erhalten.


Quellennachweise

1. Buhr, H. J. & Mann, B. Operationskurs Schilddrüse, Pathophysiologie und operative Technik, S. 1 (1998).

2. Hotze, A. & Schumm-Draeger P. Schilddrüsenkrankheiten, Diagnose und Therapie, S. 149 (2003).

Hörmann R. Schilddrüsenkrankheiten, Leitfaden für Praxis und Klinik (2005).

Operative Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen. Verfügbar unter: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/088-007.html. (Zuletzt aufgerufen am: 06.11.2025).

Dralle et al. „Intraoperatives Neuromonitoring in der Schilddrüsenchirurgie: Empfehlungen der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie“, Der Chirurg 84, Nr. 12 (2013).

Oexmann und M. Wienzek, „Medizinrecht: Diagnostik und Therapie der Schilddrüsenerkrankung; Komplikationen bei der Schilddrüsenoperation (Strumaresektion/Strumektomie): Recurrensparese (Stimmbandlähmung) und Stridor in der Artzhaftung“, (2006).

Chirurgische Anwendungsgebiete

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