Gefäß

Neuromonitoring während der chirurgischen Behandlung der Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose)

Gefäß

Halsschlagader

Eine häufige Ursache für einen Schlaganfall stellt die Verkalkung und damit verbundene Verengung der Halsschlagader (Arteria carotis communis und Arteria carotis interna) dar. Durch einen operativen Eingriff an der Halsschlagader kann ein Verschluss dieser Arterie und die Minderdurchblutung von Hirngefäßen verhindert und einem drohenden Schlaganfall vorgebeugt werden. Das intraoperative Neuromonitoring (IONM) stellt hierfür eine unterstützende Methode dar.

Halsschlagader

Halsschlagader besitzt wichtige gehirnversorgende Funktion.

Pro Jahr sind rund 265.000 Menschen in Deutschland von einem Schlaganfall betroffen. Der Auslöser hierfür stellt bei ungefähr 30.000 Patienten eine Verengung oder ein Verschluss der inneren Halsschlagader dar.[1]

Die große Halsschlagader teilt sich in eine äußere und innere Arterie auf (A. carotis externa, A. carotis interna) und hat die Aufgabe das Gehirn mit Blut zu versorgen. Kalkablagerungen an der Gefäßwand, sog. Arteriosklerose, bilden sich oft an der Aufteilung der großen Halsschlagader in die innere und äußere Arterie. Der Blutfluss wird gestört und die Blutversorgung zum Gehirn kann hierdurch beeinträchtigt werden. Auch Blutgerinnsel, die sich von der verkalkten Gefäßwand lösen und ins Gehirn gelangen, können zu einem Verschluss von Hirngefäßen führen. Folgen können Schwindel, Seh- und Sprachstörungen, Bewegungsausfälle von Armen und Beinen bis hin zu einem Schlaganfall sein.[2] Bei einem hohen Verengungsgrad der Halsschlagader von 70% oder größer, liegt ein besonders hohes Schlaganfallrisiko vor und eine Behandlung wird empfohlen.[1]

Operationen an der Halsschlagader

Bei einer Operation wird die Halsschlagader auf der zu operierenden Seite abgeklemmt und der verengte Gefäßabschnitt durch einen kleinen Schnitt freigelegt. Die Kalkablagerungen werden entfernt und beide Enden der Arterie nach der Säuberung wieder vernäht. Alternativ kann auch eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt werden. Diese besteht entweder aus Kunststoff oder einem Teil einer körpereigenen Vene. Weit über 25.000 Operationen werden bei einer Verengung der Halsschlagader in Deutschland jährlich durchgeführt.[1]

Einsatz von Neuromonitoring bei Operationen an der Halsschlagader

Das Neuromonitoring wird zur Überwachung somatosensorisch evozierter Potenziale (SEP) eingesetzt. Durch die Messung der SEP-Signale während eines operativen Eingriffs an der Halsschlagader kann eine Minderdurchblutung durch die Abklemmung der Hirngefäße frühzeitig angezeigt werden.[3] Die SEP-Signale entstehen als Reaktion auf die Stimulation zentraler Nerven und zeigen deren Leitfähigkeit auf. Eine Veränderung dieser Signale kann ein Hinweis für einen beginnenden Hirninfarkt sein.[4]

Vorgehensweise von IONM bei der Behandlung von Carotisstenosen

>> Platzierung von Nadelelektroden in der Kopfhaut und im Nackenbereich zur Aufnahme der Hirnaktivität

>> Die Hirnaktivität wird durch einen Reiz gemessen, der über einen elektrischen Impuls am Handgelenk erzeugt wird

>> Aufzeichnung der Antwortsignale, die aus der Verarbeitung des Reizes im Gehirn resultieren

>> Auswertung und Darstellung der Signale durch das Monitoring-Gerät

Das IONM dient allgemein der Funktionsüberwachung potenziell gefährdeter Nerven während Operationen. Beim Neuromonitoring an der Halsschlagader wird in diesem Fall durch eine Veränderung der SEP-Nervensignale indirekt die Durchblutung des Gehirns überwacht. Kommt es zu signifikanten Veränderungen, ist dies ein Zeichen für eine Blutunterversorgung.

Ein weiteres Einsatzgebiet des intraoperativen Neuromonitorings ist neben der Behandlung von Carotisstenosen auch die operative Entfernung eines Hirntumors.


Quellennachweise

1. Carotisstenose. Available at: http://www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesserkrankungen/carotisstenose. (Accessed: 28th July 2017)

2. Deutsche Gesellschaft für Gefaesschirurgie: Carotisstenose. Available at: http://www.gefaesschirurgie.de/patienten/carotisstenose.html. (Accessed: 28th July 2017)

3. Branston, N. M., Symon, L., Crockard, H. A. & Pasztor, E. Relationship between the cortical evoked potential and local cortical blood flow following acute middle cerebral artery occlusion in the baboon. Exp. Neurol. 45, 195–208 (1974).

4. Lam, A. M., Manninen, P. H., Ferguson, G. G. & Nantau, W. Monitoring electrophysiologic function during carotid endarterectomy: a comparison of somatosensory evoked potentials and conventional electroencephalogram. Anesthesiology 75, 15–21 (1991).